Shanghai, Tag 1

Nach 11 Stunden Holzklasse mit Air China bin ich heute Mittag 12:20 Uhr Ortszeit (6:20 Uhr deutsche Zeit) in

Shanghai Pudong gelandet. Flug und Verpflegung waren ok, aber man sitz halt wie in der Sardinenbüchse und kann sich die ganze Zeit kaum bewegen, von Schlafen ganz zu schweigen. Aufgrund der Zeitverschiebung (+6 Std) habe ich zumindest versucht bis 9:00 Uhr Ortszeit ein wenig die Augen zuzumachen (also 3:00 Uhr unserer Zeit), mir fehlen also nur noch 3 Std und dem entsprechend gut fühle ich mich auch.

Die Fahrt vom Flughafen zur Firma war der erste Kulturschock. Auf der Strecke hätte die deutsche Polizei sicher ein Dutzend Führerscheine kassiert, alleine den meines Fahrer ca. dreimal. Un-glaub-lich. Schlangenlinien durch den Stau ist das Mindeste. Wenn man irgendwo einschert, dann zeigt man das an, indem man einfach mit einem Drittel des Autos einfach mal rüberrutscht und dann bestenfalls blinkt, der Andere bremst sicher schon. Schulterblick? Nie gehört. Durchzogene Linien (oder vielmehr alle Verkehrsregeln die vielleicht existieren), sind vermutlich nichts weiter als “unverbindliche Handlungsempfehlungen”, es hält sich niemand daran – und wenn doch, wird rechts und links gleichzeitig überholt und zur Schnecke gemacht.

Nach einer Ampel mit Linksabbiegespur, die nicht, wie bei uns auch, dann auch seitlich links rausgezogen ist, geht es geradeaus, aber dann leicht nach links versetzt z.b. dreispurig weiter und nach dem Grün geht dann der Run auf die besten Plätze los. LKW, auch die, die kurz davor sind, zusammenzubrechen, fahren auch durchaus mal links und werden gnadenlos rechts überholt (was hier sowieso Standard ist).

Shanghai hat, so sagte man mir, aktuell 20 Millionen Einwohner und gefühlte 19 Millionen Autos, die heute alle unterwegs waren. Dementsprechend miserabel ist dann auch die Luft in der Stadt. Es war schwülwarm (an die 20 Grad),  aber das Fenster konnte man während der Fahrt nicht offen, sonst wäre man erstickt.

Aber die Stadt ist ansonsten grandios. Alle größeren Strassen im Stadtgebiet (zumindest die, die ich gesehen habe) sind mind. dreispurig, teilweise sehr gut ausgebaut, teilweise eine Ansammlung von Schlaglöchern. Downtown Pudong (der Stadtteil südlich des Huangpu) strotz nur so von Hochhäusern. An allen Ecken wird gebaut. Etwas außerhalb in Fenxiang sind die Häuser am Strassenrand dann so, wie sie von Bilder kennt und wie man sie erwartet hätte: Alt, kaputt, Wäsche auf der Leine, in der offenen Garage wird irgendeine Dienstleistung angeboten, die zu verstehen aufgrund der chinesischen Schriftzeichen unmöglich war.

Von dort auf dem Weg in die Stadt kommt man an diversen Wohnvierteln vorbei, von denen es bei uns vielleicht mal eines gibt mit 4 oder 5 12-stöckigen Wohnlöcken und gut ist. Hier stehen dann mindestens ein Dutzend 20-stöckiger Häuser im Gleichen Stil nebeneinander und auf der anderen Strassenseite ein Dutzend anderer, ein Kilometer weiter geht das wieder von vorne los. Irgendwo müssen die 20 Millionen ja bleiben. Und jeder scheine ne Klimaanlage zuhause zu haben.

Ich sitze gerade im 32. Stock des Holiday Inn in einem Hotelzimmer Klasse Executive, das mir aufgrund der Buchung vermutlich gar nicht zusteht. Der Blick wäre, wenn es nicht so duster wäre (22:30 Uhr), sicher toll, morgen mal schauen. Internet gibt es hier für 1 RMB (12 cent oder so) pro Minute, max. 80 RMB für einen Tag.

Abendessen hier im Haus war gut, aber mit Stäbchen ist man sich ja hungrig und die Blöße, nach Messer und Gabel zu fragen, wollte ich mir dann doch nicht geben. Nach dem Essen sind wir dann noch eine kleine Runde zu Fuß gelaufen, vorbei an den typischen Garküchen neben Supermärkten und Fussmassagesalons und Restaurants und Kiosks und Brillenläden und Schuhläden.

Morgen um 7:30 Uhr werden wir dann wieder von dem gleichen Fahrer wie heute abgeholt… Sollte ich das überleben, gibt es dann vielleicht auch ein paar Bilder.

3 Kommentare

  1. Jörg on April 20th, 2009

    Ich-bin-nicht-neidisch-bin-ich-nicht!

    Viel Spaß noch im Land des Lächelns… Und hoffentlich auf schöne Bilder morgen!

  2. Sini on April 20th, 2009

    Er ist doch neidisch- und: Mann überlebt es!!! (Vielleicht bekommt man zwischendurch Hund zu essen)! Und: Air China immer Business, ebenso wie alle innerasiatischen Flüge!

  3. frank on April 21st, 2009

    Vor einem Jahr wäre ich auch noch Business geflogen, aber im Rahmen der Sparmaßnahmen ist grundsätzlich nur noch Economy erlaubt. Pech gehabt.

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