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Gestern Abend bin ich wieder zuhause angekommen. Nach einem letzten opulenten Frühstück im Hotel wurde ich wie üblich vom Fahrer um 7:30 Uhr angeholt, diesmal aber nicht, um zur Firma oder zum Flughafen gebracht zu werden: Es ging zur Maglev Station (Magnetic Levitation, also Magnetschwebebahn), der Endstation des Transrapid in Shanghai!
Für 40 RMB (also etwas mehr als 4 Euro) kommt man hier von der Stadt zum Flughafen, morgens und Abends mit Tempo 300 (Dauer der Fahrt ca. 7 min), tagsüber dann mit 430 km/h! Die ganze Fahrt ist angenehm leise und die vorbeihuschenden Autos scheinen quasi still zu stehen. In Kurven neigt der Zug sich entsprechend, um das Tempo nicht verringern zu müssen. Schade, das man als Deutscher erst nach China fahren muss, um das erleben zu können.
Mit ca. 20min Verspätung gings dann los nach Frankfurt, die Verzögerung haben wir auch nicht mehr aufgeholt, so das ich in knapp 20 min inkl. notwendiger Pinkelpause vom einen Ende des Terminal zum anderen anderen Ende des Terminal A hetzen und dabei zwei Passkontrollen und eine weitere Sicherheitsschleuse passieren musste. Kurz vor knapp (ich wurde schon mit mehreren anderen Reisenden aufgerufen) hab ich dann den Vorfeldbus zum Flieger nach Bremen erreicht.
Ich hatte schon Angst, das man Gepäck es nicht schaffen würde, wurde aber eines Besseren belehrt.
Nach 40min Flugzeit landeten wir dann in Bremen, nach einer weiteren Viertelstunde hatte ich meinen Koffer und kurz nach 20 Uhr war ich dann wieder daheim.
Gleich werde ich erst mal Einkaufen gehen und dann die Monster wieder abholen!

Shanghai, Tag 4

Die Chinesen sind zugleich ein großes und ein kleines Volk. Groß, weil es mehr als 1,3 Mrd. sind, klein, weil ich nur wenige gesehen, die so groß sind wie ein durchschnittlicher Westler. Den meisten konnte ich zumindest bequem auf die Schulter, manchn auch auf den Kopf schauen.

Dicke Chinesen gibt es kaum, lediglich die Mc Donald-Kinder sind etwas fülliger, aber das sind sie bei uns ja auch. Ich habe so den Eindruck, von richtigem chinesischen Essen kann man kaum so richtig zunehmen, zumindest nicht, wenn man daran gewohnt ist.

Hässliche Frauen habe ich nicht gesehen – zumindest nicht in dem Alter, bei dem man sich umdreht, wenn sie vorbeigehen. Sie sind immer gut angezogen, auch abends beim Essen oder Spezierengehen sieht man sie im (Mini-) Rock und High Heels, das sieht man bei uns nicht mal Tagsüber. Im Berufsleben sind sie augenscheinlich gleichberechtigt, bei CCV arbeiten viele Frauen, auch in verantwortungsvollen Positionen, im Einkauf oder in technischen Berufen. In der Produktion habe ich sie nicht gesehen, aber da sieht man sie auch bei uns im Werk nicht überall, was aber klar wird, wenn man weiss, das bei uns größere Mengen Stahl teilweise manuell bewegt werden.

Heute Abend stand ein Abendessen mit dem General Manager des Werks, der Einkaufsleiterin und dem Qualitätsverantwortlichen auf dem Plan. Nur ein paar Kilometer von der Firma entfernt in Fenxiang waren wir in einem Separee in einem der vielen Restaurants dort. Separees sind dort üblich und werden von Gruppen, die ihre Ruhe habe wollen, gerne gebucht. Der Laden heute bestand nur aus solchen Räumen, die alle im ersten Stock liegen. Im Erdgeschoss ist die Küche. Neben einem ganzen Regal mit Schildern zur Auswahl des Essens gab es diesmal auch eines mit Beispieltellern, direkt zum Ansehen.

In China gibt es Servicepersonal in rauhen Mengen, 1,3 MRd Leute wollen schliesslich beschäftigt werden. Hier im Hotel greift sich bei der Ankunft ein Boy den Koffer und begleitet den Gast aufs Zimmer (und versucht gleich noch, eine Sim-Karte zu verkaufen). Beim Abendessen heute abend standen 5 Mädchen am Empfang, eine führte uns dann zur Treppe und zeigte und den Weg nach oben. Dort wurden wir dann von der Nächsten erwartet und zum Tisch geführt. Zu Beginn war eine Bedienung die ganze Zeit im Raum, bis alle Teller serviert waren. In anderen Häusern hat man gefühlt eine Bedienung pro Tisch und obendrauf noch einen Haufen Leute, die andauernd saubermachen – einer mit einem Handfeger zum Aufsammeln der Kippen und hinterher einer mit einem Feudel zum Aufwischen.  Somit sind die von westlichen Besucher frequentierten Läden immer top sauber. Sobald man aber die Hauptstrasse verlässt (z.B. hier beim Hotel), wird es gleich schmutzig auf der Strasse.

Morgen gehts leider wieder nach Hause. Ich freue mich zwar wieder auf die Hunde, aber ein oder zwei Tage mehr wären auch nicht schlecht. Mal sehen, nächstes Jahr ist die Expo in Shanghai, die Stadt bereitet sich gerade massiv darauf vor, vielleicht kann man da ja was machen. Sooooo teuer sind die Flüge ja gerade auch nicht.

Shanghai, Tag 3

Kann man nach China reisen ohne vom chinesischen Essen zu berichten? Klar, da kann ja jeder mitreden.

Denkste, Puppe. Chinesisches Essen schmeckt nur am Rande so, wie man es aus den mitteleuropäisch-chinesischen Restaurants kennt. In dem ganzen Laden – und davor – liegt ein (übrigens meistens ähnlicher) Geruch, der einen Hierzulande rückwärts wieder hinausgehen lässt. Hier gehört diese Geruch, den ich einfach nicht beschreiben kann, einfach dazu. Keine Ahnung, welches Gewürz das ist, aber es passt einfach.

Wenn der Chinese Essen geht, ist das Aussuchen der Speisen schon ein Erlebnis für sich und zieht sich über einige Zeit hin. In solchen Restaurants, die auch öfters mit ausländischen Gästen zu tun haben, ist auf der Karte neben der englischen Beschreibung auch immer ein hilfreiches Bildchen abgebildet, das bei der Auswahl hilft. Die Karte umfasst 15+ Seiten mit jeweils >12 solcher kleinen “Dishes”, die es in kalt und warm gibt. Daraus sucht man sich dann das gewünschte aus: Einmal Dies, einmal Das, einmal Jenes, drauf zeigen reicht völlig, die Kellner verstehen das schon,

Binnen Minuten kommen die ersten beiden teller und man kann anfangen. Nach und nach kommen die weiteren Schalen und Teller und Körbe dazu und es geht weiter.
shanghai-dinner

Eine besondere Aktion erlebt man bei der Peking-Ente. Die wird als ganzer Vogel geliefert und am Tisch zerlegt und auf drei Tellerchen serviert: Nur die krosse und fetter Haut, dann nur das Fleisch und auf dem dritten so der Rest gemischt. Dazu gibt es eine Art kleiner dünner Pfannkuchen (sehr sättigend) und ein Schale mit einem mir unbekannten Gemüse und einer sehr gut schmeckenden Sojasauce. Und los gehts…

Wie man merkt, waren wir heute abend lecker essen. Glücklicherweise habe ich mit meinem Kollegen Manfred einen Shanghaikenner dabei, der vor einigen Jahren hier mal 6 Monate gelebt und gearbeitet und und in seinem Leben in Summe ca. 2 Jahre in China verbracht hat. Wir sind mit einem Taxi nach Fuxing auf die anderen Seite des Flusses gefahren und in ein Restaurant gegangen, das man als normaler Ausländer kaum findet. Die beschriebenen Köstlichkeiten gibts im 4. Stock (man fängt in China bei 1 im Erdgeschoß an zu zählen).

Gezahlt wird übrigens immer der ganze Tisch, ein Aufteilen (“das hatte ich, das warst Du”) gibt es nicht, das muss man schon selbst machen. Macht aber auch Sinn, da man ja auch von Allem etwas isst, ein “persönliches Essen”, wie bei uns üblich, gibt es nicht.

Danach ging es zu Fuss zum Jinjang Tower, der im 42.Stock ein Restaurant hat, das sich langsam aber sicher um die eigene Achse dreht – der Boden bewegt sich. Der Aufzug ist aussen am Gebäude angebracht und bietet einen genialen Ausblick über die erleuchtete Stadt. Zum Schluss ging es dann wieder im Taxi mit einem Umweg über die Nanpu Bridge zurück zum Hotel.
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Die Taxis in der Stadt sind übrigens zu 100% Volkswagen Santana, eine Auto, das die meisten Deutschen nur noch aus Erzählungen der Altvorderen kennen. Das Ding wird seit x Jahren hier vor Ort gebaut und für den lokalen Markt stetig weiterentwickelt, allerdings nur ganz vorsichtig, die alte Form ist immer noch deutlich zu erkennen. Diese Versionen heissen mittlerweile Santana 2000 oder 3000.
shanghai-taxi

Zum Schluss noch ein Bild zum Thema “Arbeitssicherheit pur”, gesehen heute nachmittag auf der Rückfahrt von der Firma zum Hotel:
shanghai-safety-at-work

Shanghai, Tag 2

Der Chinese baut gerne. Wenn er klein ist und Sand in seine Reisschüssel schaufelt, reinpinkelt und seine Essstäbchen aus Protest reinsteckt stellt er fest, den Bambusbeton erfunden zu haben. Wenn es ihm gefällt, bleibt er beim Bauen.

Shanghai ist eine Dauerbaustelle. Mitten in Downtown wird gebaut wie verrückt. Ist man fertig, wartet man 10 Jahre, stellt fest, das es veraltet ist, reisst es ab und baut neu. Ist man dann fertig, stellt man noch eine Hochstrasse drüber, weil sich der Strassenverkehr gerade mal wieder verdoppelt hat.

Die neueste Errungenschaft chinesischer Baukunst ist mit knapp 500m Höhe das Shanghai World Financial Center, ein umwerfender toll aussehender Wolkenkratzer, den nur ein bierabhängiger Verrückter designen konnte: Der oberste Teil sieht aus wie ein riesiger Flaschenöffner, groß genug, um mit einem Sportflugzeug bequem durchfliegen zu können. Macht aber sicher keiner, weil er sonst seine Essstäbchen für immer abgeben darf.

shanghai-world-financial-center

shanghai-world-financial-tower-2

Daneben steht, nur unwesentlich kleiner, der Jing Mao Tower, der das Shanghai Hyatt Hotel beherbergt.

Noch ist das SWFC das höchste Hochhaus der Stadt, aber das ändert sich mittelfristig, denn nebenan wird gerade der Shanghai Tower gebaut, der auf dem Bilder das SWFC noch um einiges überragt. Clou daran: Er sieht so aus, als ob er sich noch oben schrauben würde, die Kanten verdrehen sich nach oben hin gegen den Uhrzeigersinn. Sieht genial aus. Bis zum zweiten Stock sind sie schon gekommen.

Man merkt, heute stand Sightseeing auf dem Abendplan. Mit dem Taxi gings es vom Hotel zum TV Tower, dort mit dem Aufzug auf 263m Höhe in die zweite Kugel:

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shanghai-tvtower_2

Die Aussicht von da oben ist umwerfend, auch im Dunkeln.

Danach zu Fuss zum Fluss und nach einem Abendessen gegenüber vom Bund, der Flaniermeile, auf der noch viele alte Gebäude stehen:

shanghai_bund

shanghai-above-paulaner

Dann weiter zum SWFC und dann zurück zum Holiday Inn. Das Shanghai World Financial Center wurde auch kurzfristig von innen besichtigt, zumindest das Herren-WC im ersten Stock. Im Erdgschoss stehen vier Mann Security, man muss durch einen Metalldetektor (im TV Tower übrigens auch), aber sie lassen einen ohne Rückfragen rein. Also sind wir kurz zum Pinkeln rein und wieder raus.

(Alle Bilder sind Vorschaubilder, anklicken für die größere Version)

Shanghai, Tag 1

Nach 11 Stunden Holzklasse mit Air China bin ich heute Mittag 12:20 Uhr Ortszeit (6:20 Uhr deutsche Zeit) in

Shanghai Pudong gelandet. Flug und Verpflegung waren ok, aber man sitz halt wie in der Sardinenbüchse und kann sich die ganze Zeit kaum bewegen, von Schlafen ganz zu schweigen. Aufgrund der Zeitverschiebung (+6 Std) habe ich zumindest versucht bis 9:00 Uhr Ortszeit ein wenig die Augen zuzumachen (also 3:00 Uhr unserer Zeit), mir fehlen also nur noch 3 Std und dem entsprechend gut fühle ich mich auch.

Die Fahrt vom Flughafen zur Firma war der erste Kulturschock. Auf der Strecke hätte die deutsche Polizei sicher ein Dutzend Führerscheine kassiert, alleine den meines Fahrer ca. dreimal. Un-glaub-lich. Schlangenlinien durch den Stau ist das Mindeste. Wenn man irgendwo einschert, dann zeigt man das an, indem man einfach mit einem Drittel des Autos einfach mal rüberrutscht und dann bestenfalls blinkt, der Andere bremst sicher schon. Schulterblick? Nie gehört. Durchzogene Linien (oder vielmehr alle Verkehrsregeln die vielleicht existieren), sind vermutlich nichts weiter als “unverbindliche Handlungsempfehlungen”, es hält sich niemand daran – und wenn doch, wird rechts und links gleichzeitig überholt und zur Schnecke gemacht.

Nach einer Ampel mit Linksabbiegespur, die nicht, wie bei uns auch, dann auch seitlich links rausgezogen ist, geht es geradeaus, aber dann leicht nach links versetzt z.b. dreispurig weiter und nach dem Grün geht dann der Run auf die besten Plätze los. LKW, auch die, die kurz davor sind, zusammenzubrechen, fahren auch durchaus mal links und werden gnadenlos rechts überholt (was hier sowieso Standard ist).

Shanghai hat, so sagte man mir, aktuell 20 Millionen Einwohner und gefühlte 19 Millionen Autos, die heute alle unterwegs waren. Dementsprechend miserabel ist dann auch die Luft in der Stadt. Es war schwülwarm (an die 20 Grad),  aber das Fenster konnte man während der Fahrt nicht offen, sonst wäre man erstickt.

Aber die Stadt ist ansonsten grandios. Alle größeren Strassen im Stadtgebiet (zumindest die, die ich gesehen habe) sind mind. dreispurig, teilweise sehr gut ausgebaut, teilweise eine Ansammlung von Schlaglöchern. Downtown Pudong (der Stadtteil südlich des Huangpu) strotz nur so von Hochhäusern. An allen Ecken wird gebaut. Etwas außerhalb in Fenxiang sind die Häuser am Strassenrand dann so, wie sie von Bilder kennt und wie man sie erwartet hätte: Alt, kaputt, Wäsche auf der Leine, in der offenen Garage wird irgendeine Dienstleistung angeboten, die zu verstehen aufgrund der chinesischen Schriftzeichen unmöglich war.

Von dort auf dem Weg in die Stadt kommt man an diversen Wohnvierteln vorbei, von denen es bei uns vielleicht mal eines gibt mit 4 oder 5 12-stöckigen Wohnlöcken und gut ist. Hier stehen dann mindestens ein Dutzend 20-stöckiger Häuser im Gleichen Stil nebeneinander und auf der anderen Strassenseite ein Dutzend anderer, ein Kilometer weiter geht das wieder von vorne los. Irgendwo müssen die 20 Millionen ja bleiben. Und jeder scheine ne Klimaanlage zuhause zu haben.

Ich sitze gerade im 32. Stock des Holiday Inn in einem Hotelzimmer Klasse Executive, das mir aufgrund der Buchung vermutlich gar nicht zusteht. Der Blick wäre, wenn es nicht so duster wäre (22:30 Uhr), sicher toll, morgen mal schauen. Internet gibt es hier für 1 RMB (12 cent oder so) pro Minute, max. 80 RMB für einen Tag.

Abendessen hier im Haus war gut, aber mit Stäbchen ist man sich ja hungrig und die Blöße, nach Messer und Gabel zu fragen, wollte ich mir dann doch nicht geben. Nach dem Essen sind wir dann noch eine kleine Runde zu Fuß gelaufen, vorbei an den typischen Garküchen neben Supermärkten und Fussmassagesalons und Restaurants und Kiosks und Brillenläden und Schuhläden.

Morgen um 7:30 Uhr werden wir dann wieder von dem gleichen Fahrer wie heute abgeholt… Sollte ich das überleben, gibt es dann vielleicht auch ein paar Bilder.